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Zeitlose Gestaltung – warum gute Architektur keine Trends braucht

Philipp Flammiger
24. Sept.
2 Min. Lesezeit

Farnsworth House in Plano, Illinois

Architekt: Ludwig Mies van der Rohe



Trends verändern sich, gute Gestaltung bleibt. Es gibt Gebäude, Möbel, Fahrzeuge und Kleidungsstücke, die auch nach Jahrzehnten noch selbstverständlich wirken, nicht weil sie nie gealtert sind, sondern weil ihre grundlegenden Qualitäten geblieben sind.



Zeitlosigkeit ist kein Stil


Zeitlose Gestaltung kennt keine Disziplin, denn wir finden sie in der Architektur genauso wie in Möbeln, Mode, Werkzeugen oder Produkten. So unterschiedlich diese Dinge auch sind, folgen sie häufig ähnlichen Prinzipien:

  • klaren Proportionen,

  • guten Materialien,

  • einer nachvollziehbaren Konstruktion

  • und einer eindeutigen Funktion.


Ein gutes Beispiel ist der Porsche 911, dessen Grundform seit den 1960er-Jahren immer wieder weiterentwickelt wurde, ohne seine gestalterische Identität zu verlieren. Ähnlich verhält es sich mit der Ray-Ban Wayfarer: Die Gestaltung wurde über Jahrzehnte angepasst, ihr grundlegender Charakter ist jedoch geblieben.


Zeitlos bedeutet also nicht unverändert. Gute Gestaltung kann sich weiterentwickeln, ohne bei jedem neuen Trend neu erfunden werden zu müssen.



Haus Kemper, Wuppertal

Architekt: Richard Neutra, 1961 - 67

Foto (c): Frank Peterschroeder


Möbel, die Jahrzehnte überdauern


Auch im Möbeldesign zeigt sich dieser Gedanke besonders deutlich. Der Barcelona Chair von Mies van der Rohe und Lilly Reich, der Wishbone Chair von Hans J. Wegner oder der Eames Lounge Chair von Charles und Ray Eames stammen aus völlig unterschiedlichen Entwurfsansätzen und werden dennoch bis heute produziert.


Was sie verbindet, ist nicht ein gemeinsamer Stil, sondern die Konsequenz ihrer Gestaltung. Material, Konstruktion, Proportion und Funktion bilden jeweils ein schlüssiges Ganzes.




Louis Poulsen PH 5

Foto: Miles Chang, Unsplash



Mode kann ebenfalls zeitlos sein


Ein klassischer Trenchcoat, eine gut geschnittene Jeans oder ein weißes Hemd funktionieren seit Jahrzehnten, weil ihre Gestaltung nicht von einem bestimmten Moment abhängig ist. Ein Burberry-Trenchcoat beispielsweise wurde ursprünglich aus einer funktionalen Aufgabe heraus entwickelt, seine Grundidee hat sich jedoch weit über diesen ursprünglichen Zweck hinaus erhalten.


Gerade daran zeigt sich ein wichtiger Unterschied: Zeitlose Dinge versuchen nicht zwangsläufig, besonders zu sein. Häufig überzeugen sie gerade durch ihre Selbstverständlichkeit.



Ray Ban Wayfarer

Foto: Alberto Bigoni, Unsplash



Und in der Architektur?


In der Architektur gelten dieselben Prinzipien. Das Farnsworth House von Mies van der Rohe aus den frühen 1950er-Jahren wirkt bis heute erstaunlich gegenwärtig. Seine Wirkung entsteht nicht durch Dekoration, sondern durch klare Proportionen, eine konsequente Konstruktion und die Reduktion auf wenige Materialien.


Gerade beim Bauen im Bestand bedeutet Zeitlosigkeit jedoch nicht, historische Architektur zu kopieren. Alt und Neu dürfen klar voneinander unterscheidbar sein, solange sie über Maßstab, Proportion, Material und Detail miteinander funktionieren.


Der Test der Zeit


Zeitlose Gestaltung lässt sich nicht einfach planen oder an einem bestimmten Stil festmachen. Ob etwas tatsächlich Bestand hat, zeigt sich erst mit der Zeit. Die Beispiele aus Architektur, Möbel-, Produkt- und Modedesign zeigen jedoch immer wieder ähnliche Eigenschaften: Eine klare Idee, gute Proportionen, geeignete Materialien und eine Gestaltung, die aus ihrer Funktion heraus entwickelt wurde.


Deshalb interessiert uns weniger, was gerade modern ist, sondern vielmehr, was langfristig funktioniert.

Denn wenn Gestaltung auch nach Jahrzehnten noch überzeugt, hat sie den Test der Zeit bestanden.




 
 
 

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